Nein zum Krieg!

 

Schluss mit den Angriffen auf arabischstämmige Menschen und andere Migranten

 

Der terroristische Angriff am 11. September, bei dem über 6000 Menschen, vor allem Zivilisten und Arbeiter, getötet wurden, hatte Wellen des Schocks, der Trauer und der Wut im ganzen Land ausgelöst. Millionen Menschen hatten oder vermuten Familienangehörige oder Freunde unter den Opfern.

Die US-Regierung nutzt die Angriffe aus, um einen „Krieg gegen den Terrorismus“ zu erklären, der in Wirklichkeit ein Krieg gegen Länder, Organisationen und Menschen darstellt, die sich ihr widersetzen. Eine breite Mehrheit nahezu aller Teile der Bevölkerung erklärt, dass sie Vergeltungsakte gegen diejenigen befürworten, die für die Angriffe verantwortlich sind. Die meisten von ihnen durchschauen die Absicht der Regierung noch nicht.

Die Regierung versucht, die Angriffe mit Osama bin Laden und der von ihm geführte Al Quaeda (Die Basis) Organisation in Verbindung zu bringen. Bin Laden ist ein aus Saudi Arabien stammender islamischer Fundamentalist und Millionär, der während der 80er Jahre vom CIA mit Waffen ausgerüstet wurde, um mitzuhelfen, die Sowjetarmee aus Afghanistan zu vertreiben. Er wendete sich während des Golf-Krieges gegen die USA und lebt heute in Afghanistan, wo ihm die Taliban-Regierung politisches Asyl gewährte. Bin Laden hat zahlreiche Drohungen gegenüber den Vereinigten Staaten ausgesprochen.

Die Bush-Regierung nennt die Angriffe einen kriegerischen Akt. Der Kongress stimmte mit überwältigender Mehrheit dafür, Bush zu autorisieren, „alle notwendigen und angemessenen Gewaltmittel gegen diejenigen Nationen, Organisationen oder Personen anzuwenden, die er verantwortlich macht für die Planung, Anordnung und Durchführung oder Unterstützung der terroristischen Angriffe, die am 11. September stattfanden, oder die solchen Organisationen oder Personen Zuflucht gewähren.“

Kein Senator und lediglich eine Abgeordnete, Barbara Lee, zeigte den Mut, mit „Nein“ zu stimmen. Der Congress bewilligte außerdem 40 Milliarden Dollar als Anfangsbasis, um die Schäden der Angriffe zu reparieren und den Krieg zu finanzieren.

Die Vereinigten Staaten haben damit begonnen, Bomber und Flugzeugträger in den Persischen Golf und den Indischen Ozean zu verlegen und Reservisten einzuberufen. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint ein US-Krieg gegen Afghanistan unvermeidbar, selbst, wenn Bin Laden flieht. Im Golfkrieg hat die US-Regierung am Irak ein Exempel statuiert, um zu zeigen, welches Schicksal potentiell rebellischen Staaten droht. Nun möchte sie in Afghanistan ein Exempel statuieren.

Der „Krieg gegen den Terrorismus“ wird auch ein Krieg gegen die demokratischen Freiheiten und Andersdenkende daheim sein, ein Vorwand, um Haushaltsmittel von sozialen zu militärischen Programmen umzuverteilen, eine Anheizung des rassistischen Chauvinismus. Er wird die USA nicht sicherer machen, sondern nur noch verhasster.

Arbeiter Jugendliche und alle fortschrittlichen Menschen müssen sich gegen den Krieg stellen. Wir müssen die demokratischen Rechte und das Recht auf eine andere Meinung verteidigen. Wir müssen Angriffe auf Amerikaner arabischer Herkunft und andere Migranten verhindern. Und wir müssen uns organisieren, um soziale Gerechtigkeit und ein Ende des kapitalistischen Systems zu erkämpfen, dass nur Terror und Krieg erzeugt.

 

No Justice, no peace! Ohne Gerechtigkeit kein Frieden!

 

Aus den meisten Blickwinkeln erscheint ein US-Krieg gegen Afghanistan absurd und bösartig. Die Vereinigten Staaten sind das reichte und mächtigste Land der Erde, während Afghanistan eines der ärmsten und elendesten ist. Afghanistan befindet sich im Krieg, seitdem die Sowjetunion 1979 einmarschierte und die USA, Pakistan und Saudi Arabien Fundamentalisten wie Bin Laden und die Taliban unterstützten, um die Sowjets zu vertreiben. Nach dem Rückzug der Sowjets im Jahr 1989 haben Russland und die anderen benachbarten ehemaligen Sowjetrepubliken sowie Iran, Pakistan und Saudi Arabien einen Bürgerkrieg angefacht, der bis zum heutigen Tag andauert. 22 Jahre Krieg haben Afghanistans Städte, Straßen und die übrige Infrastruktur in Trümmer gelegt. Der Krieg und vier Jahre der Dürre haben Hungersnöte im Land ausbrechen lassen.

Eine Bombardierung durch die USA würde die Afghanische Armee nicht besonders verletzen, da sie dezentralisiert und durch das zerklüftete Gelände geschützt ist. Wie im Vietnam-Krieg, im Golf-Krieg und im Jugoslawien-Krieg werden die USA zivile Ziele bombardieren. Da Afghanistan keine größeren wirtschaftlichen Ziele mehr zu bieten hat, hieße dies die Bombardierung von Städten und Dörfern.

Eine Bombardierung würde Tausende von Menschen töten, aber sie würde weder Al Quaeda zerstören, noch die Taliban beseitigen. Daher müssten die USA Bodentruppen einsetzen. Sie würden nicht versuchen, Afghanistan zu besetzen, da sie die Lehren aus ihrer eigenen Niederlage in Vietnam und der Niederlage der Sowjets in Afghanistan gezogen haben. Stattdessen würden sie das Land mit mobilen Streitkräften überschwemmen, in der Hoffnung, die Taliban und Al Quaeda zu lähmen und Bin Laden zu fassen.

Ein Bodenkrieg wäre äußerst kostspielig und könnte zu hohen Verlusten der US-Streitkräfte führen. Er würde Tausende von Afghanen töten. Selbst wenn dieser Krieg militärisch erfolgreich wäre – und das ist fragwürdig – könnte er die USA nicht vor dem Terrorismus schützen. Ganz im Gegenteil würden die USA dadurch noch verhasster und verstärkt zu einem Angriffziel werde.

Die USA haben 200.000 Iraker im Golfkrieges ermordet und seit dem über eine Million durch die Sanktionen. Diese Sanktionen töten monatlich 5000 Kinder – so viele, wie am 11. September starben. Die USA unterstützen Israel bei seiner völkermörderischen Politik gegenüber den Palästinensern, die Zehntausende ermordete und Millionen von ihrem Land vertrieben hat.

Dutzende anderer Länder wurden zu Opfern der USA und des US-gesponsorten Staatsterrorismus. Die US-geführte „Neue Weltordnung“ verdammt in aller Stille Millionen Menschen zu Armut, Krankheit und Tod. Arme und die arbeitenden Menschen auf der ganzen Welt haben guten Grund, den US-Imperialismus zu hassen.

„No justice, no peace“ (Ohne Gerechtigkeit kein Frieden) ist ein beliebter Slogan auf Demonstrationen. Er beschreibt auch die Realität, vor der die USA stehen. So lange der US-Imperialismus Ungerechtigkeit unterstützt und erzeugt, werden die US-Arbeiter und Jugendlichen keinen Frieden haben. Dieser Krieg wird die Situation nur verschlimmern.

 

Arbeiter und Jugend werden die Leidtragenden sein

 

Die herrschende Klasse der US hat beschlossen, in den Krieg zu ziehen. Solange sie nicht gestoppt werden, werden sie Hunderttausende Jugendliche aus der Arbeiterklasse losschicken, um zu töten und getötet zu werden. Sie werden Gelder aus der Sozialfürsorge, dem Bildungswesen, dem Gesundheitswesen und anderen heimischen Sektoren nehmen, um den Krieg zu finanzieren.

Die „Friedensdividende“ aus der Beendigung des Kalten Krieges, die nie besonders groß war, ist vorbei. Pentagon, CIA und National Security Agency werden alles bekommen, worum sie bitten. Selbst das unsinnige und exorbitant teure Nationale Raketen Abwehrsystem wird den Kongress passieren.

Mit dem Vorwand des „Krieges gegen den Terrorismus“ wird die Regierung die zivilen Freiheiten einschränken und Andersdenkende unterdrücken. Die Polizei wird gegen Migranten, streikende Arbeiter und Demonstranten vorgehen. Sie werden Telefone abhören, e-mails anzapfen und Organisationen unterwandern.

Kriegshysterie wird alle heimischen und internationalen Besorgnisse ersetze. Kein Fortschritt wird möglich sein, bis der Krieg beendet ist. Momentan sind die Antiglobalisierungsbewegung und alle anderen fortschrittlichen Bewegungen in den USA stehen geblieben.

Eine Vielzahl rassistischer und chauvinistischer Angriffe wird gemeldet. Arabische Amerikaner und andere Migranten aus dem Nahen Osten, Nord Afrika und Südasien wurden angefeindet und geschlagen. Kulturzentren und Moscheen wurden verwüstet und beschossen. Bis jetzt wurden vier Menschen ermordet.

Unterdrückerische Regime in der ganzen Welt werden von dem US-Krieg profitieren. Die USA werden die Menschenrechtsverletzungen der Türkei, Pakistans, Indiens, Indonesiens und anderer Verbündeter ignorieren und ihnen Waffen und Militärhilfe liefern, die sie dazu verwenden werden, ihre Einwohner zu unterdrücken.

Israel hat bereits seinen Vorteil aus dem Kriegskurs gezogen, indem es seine Angriffe auf die Palästinenser intensivierte. Es hat den letzten Anschein von Verhandlungen mit der Palästinensischen Autonomiebehörde fallengelassen und erzwingt das System von Bantustans, das es immer angestrebt hat.

Der Krieg wird großes Leid erzeugen, aber er wird keinen Frieden bringen.

 

Der Hauptfeind steht im eigenen Land!

 

Revolutionäre Sozialisten fühlen Entsetzen und Trauer angesichts der Toten und Verletzten der Angriffe des 11. September. Wir lehnen die Methoden der Flugzeugentführer ab. Sie haben unschuldige Menschen getötet. Aber selbst, wenn sie lediglich militärische Ziele angegriffen hätten und zivile Opfer vermieden hätten, selbst, wenn sie eine fortschrittlichere Ideologie vertreten würden, würden sie den Kampf um Befreiung nicht vorantreiben.

Die „Neue Weltordnung“ des Imperialismus unterdrückt Menschen rund um die Welt. Keine der existierenden Führungen der Unterdrückten ist in der Lage, eine Lösung anzubieten. Die Sozialdemokraten haben den Neoliberalismus akzeptiert, die Post-Stalinisten den Kapitalismus und die Nationalisten den Imperialismus. Die Revolutionären Sozialisten sind zu schwach, um eine praktische Lösung anzubieten.

Durch das Fehlen einer politischen Alternative durch die Arbeiterklasse werden Teile der Armen und der Mittelklassen vom religiösen Fundamentalismus, Faschismus und anderen reaktionären Ideologien angezogen, die die wirklichen Probleme, die wirklichen Feinde und die wirklichen Lösungen unkenntlich machen. Einige sind so verzweifelt, dass sie in terroristischen Akten das einzige Mittel sehen, wegen der Unterdrückung, die sie fühlen, Vergeltung zu üben. Viele andere sympathisieren mit ihren Aktionen.

Die Arbeiterklasse ist die einzige Kraft, die Ausbeutung und Unterdrückung beenden kann. Die Arbeiterklasse stellt die breite Mehrheit in den wirtschaftlich entwickelten Ländern und zumindest eine bedeutende Minderheit in jedem Land. Auf ihrer Intelligenz und Arbeit beruhen alle sozialen Einrichtungen, einschließlich Wirtschaft, Regierungen und Armeen.

Bewusst, organisiert und unter einer revolutionären Führung kann die Arbeiterklasse sich selbst und alle weiteren Opfer der kapitalistischen Gesellschaft emanzipieren: die Bauernschaft, die verarmten Schichten in de Städte, Teile der Mittelklasse, unterdrückte Nationalitäten und Ethnien, Frauen, Lesben und Schwule und die Jugend.

Die Tötung unschuldiger Menschen stößt Arbeiter ab. Und selbst bei gerechtfertigten Zielen vermittelt der Individualterrorismus die falsche Botschaft, dass der politische Kampf die Aufgabe elitärer Gruppen und Märtyrer sei. Der Individualterrorismus fördert die Befreiung nicht. Er verstärkt nur die Repression.

Helden sind notwendig und Märtyrer sind unvermeidlich. Aber Befreiung kann nur durch die Selbstemanzipation der Arbeiterklasse erreicht werden. Revolutionäre Sozialisten befürworten solche Methoden, die der Arbeiterklasse dabei helfen, dieses historische Ziel zu erreichen.

Unsere wichtigste Aufgabe in den USA ist es heute, dem imperialistischen Kriegskurs entgegenzustehen. Wir können dies machen, indem wir die Rolle des US-Imperialismus erklären, die Hintergründe für die Angriffe des 11. September und die Verbrechen und Nutzlosigkeit des Krieges der herrschenden Klasse. An erster Stelle der politischen Vorhut der Arbeiter und der Jugend und dann allen.

Mit Demonstrationen, Versammlungen, Seminaren, Diskussionen und Publikationen können wir unsere Botschaft transportieren: Um Gerechtigkeit und Frieden zu bekommen müssen wir uns der Politik und letztendlich der Existenz der USA und des ganzen Imperialismus entgegenstellen.

 

21. September 2001

Trotskyist League / US

 

P.O. Box 44317, Detroit, Michigan 48244 USA

e-mail : tlus@igc.org