Erklärung der Internationalen Trotzkistischen Opposition zu den Wahlen in Frankreich

 

-Das Scheitern Pluralen Linken macht den Weg für LePen frei

 

-Der Erfolg der trotzkistischen Linken weist die einzig mögliche Alternative

 

Der  gemäßigte Liberalismus der Regierung Jospin, der auf Privatisierung und Flexibilität setzte, ist dramatisch gescheitert, wobei er die Kommunistische Partei Frankreichs mit in den Abgrund gezogen und so den Weg für den beunruhigenden Aufstieg LePens geebnet hat. Die „Plurale Linke“, die von Fausto Bertinotti jahrelang als Modell gepriesen wurde, ist auf die schlimmste Weise gescheitert .Die einzige Linke, die Fortschritte macht, ist die trotzkistische Linke, die gegen die Regierung Jospin-Hue und gegen die Rechten insgesamt 11 % der Stimmen errang, darunter Millionen von Arbeiterstimmen. Ohne diese linke Opposition wären die Stimmenthaltungen der von der Regierung enttäuschten und krisengeschüttelten Volksschichten noch größer ausgefallen.

 

Im Einzelnen hat die „Lutte Ouvrière“ mit ihrer Kandidatin Laguiller trotz ihrer begrenzten Zielgruppe und der Selbstbezogenheit einer kleinen Organisation eine beträchtliche Zustimmung Plattform antikapitalistischer Ausprägung gefunden. Fest steht, dass Millionen von Arbeitern für die Verstaatlichung notleidender Unternehmen ohne Entschädigung, für die Offenlegung der Geschäftsbücher und die Kontrolle durch die Arbeiter, für progressive Besteuerung der Gewinne, der Rendite und der Großvermögen gestimmt haben.

 

Das ist der Beweis dafür, dass die Krise des Kapitals und des altersschwachen Reformismus eine bis gestern noch undenkbare historische Möglichkeit für eine neue linke Weltrevolution eröffnet. Der wachsende Erfolg des Trotzkismus nach 1989 von Argentinien bis Frankreich ist der Beweis dafür. Der Niedergang der alten kommunistischen Reformparteien stalinistischer Prägung spiegelt das indirekt wieder.

 

Darüber hinaus kann nur eine konsequent antikapitalistische neue Linke das Wiedererstarken der Rechten eindämmen und zurückschlagen. Denn nur der wirkliche Kampf für eine gesellschafts- und machtpolitische Veränderung kann einen echten Ausweg aus der gesellschaftlichen Krise, die heute den reaktionären Populismus anheizt, weisen.

 

Daher sind die französischen Trotzkisten heute auf Grund ihres Erfolges zu einer neuen politischen Verantwortung aufgerufen, nämlich in Frankreich mit allen verfügbaren Kräften eine revolutionäre kommunistische Partei aufzubauen, die auf Grund ihrer Stärke in der Lage ist, der Arbeiterbewegung eine Alternative zu bieten. Der Verzicht darauf und das Festhalten am alten Geist von Sekten oder Subkulturen würde einmal mehr bedeuten, dass eine historisch günstigen Gelegenheit für den revolutionären Marxismus weltweit vertan wird.

 

Marco Ferrando, 22.April 2002